Interview mit He2-Trainer Stephan Ritter nach der Vorrunde
HC Vikings Liestal (HCVL): Lieber Stephan, wir sind immer noch hin und weg von der Stimmung rund um das Topspiel am vergangenen Samstag gegen den HV Olten. Einfach grandios wie deine Mannschaft mit dem bisherigen Tabellenführer mitgehalten und schlussendlich verdient mit 32:26 gewonnen hat. Wie hast du dieses Spiel erlebt?
Stephan Ritter (SR): Ich habe bei der Mannschaft vor dem Spiel eine gewisse Ruhe verspürt; wir wussten, dass wir nichts zu verlieren haben und frei aufspielen konnten. Auch von der Pausenführung liessen wir uns nicht beirren, denn wir wussten, dass Olten nochmals kommen wird. Dies geschah dann auch und nach einer 4-Tore-Führung waren wir plötzlich mit einem Rückstand konfrontiert. Dies war dann der Auftakt zu einem regelrechten Schlagabtausch. Das Publikum und auch die Stimmung in der Mannschaft hat uns da richtig getragen und Energie freigesetzt. Das Ergebnis fiel schlussendlich zu hoch aus, hätte das Spiel doch jederzeit auch in die andere Richtung kippen können.
HCVL: Was sagst du zu dieser tollen Vorrunde deiner Mannschaft? Was hat deine Mannschaft besonders gut gemacht bzw. was zeichnet sie aus?
SR: Ich bin überrascht. Ich habe eher damit gerechnet, dass wir im hinteren Mittelfeld kämpfen. Im Schlüssel zum Erfolg sehe ich drei wichtige Aspekte. Erstens haben wir die konditionellen Grundlagen aufgrund von Corona ganz anders erarbeitet, was sich als grossartig herausgestellt hat. Zweitens haben wir uns vorwiegend auf unsere eigene Leistung konzentriert – einzig bei den beiden Unentschieden gegen Sissach haben wir uns mehr mit Gegner und Schiedsrichter auseinandergesetzt– wofür wir die Quittung in Form von zwei Unentschieden bekamen. Und drittens, konnten wir eine ungewohnte Konstanz ins Kader bringen – niemand wollte ein Spiel verpassen und helfen, die Serie der Ungeschlagenheit weiterzuführen.
HCVL: Wenn wir mal von der vergangenen aufgrund der Corona-Pandemie nur sehr verkürzt geführten Saison absehen, so hat die fast identische Mannschaft vor zwei Saisons unter deinem Trainervorgänger noch gegen den Abstieg gespielt. An welchen Schrauben hast du gedreht, dass deine Mannschaft aktuell nur so vor Selbstvertrauen strotzt? Zeitweise hatte man das Gefühl, dass deine Mannschaft in engen Situationen ein Spiel gar nicht verlieren kann.
SR: Ich glaube es ist Vertrautheit. Ein grosser Teil des Kaders hat unter mir mehrere Jahre in der 1. Mannschaft (1. Liga und 2. Liga) gespielt. Wir konnten gewohnte Abläufe aus der Vergangenheit reaktivieren und wir haben eine gemeinsame Basis, die uns in kritischen Spielsituationen hilft.
HCVL: Was habt ihr euch als Team für Ziele gesetzt? Müssen diese nach dieser tollen 1.Saisonhälfte nun nach oben korrigiert werden?
SR: Nein, gar nicht. Wir wollten von Beginn weg Spiel für Spiel nehmen und einfach zusammen Spass haben. Ein bestimmtes Ziel in Form von Tabellenrang oder ähnlich war nie relevant – und das soll auch in der 2. Saisonhälfte so bleiben. Aber klar, eine Serie ohne Niederlage weckt natürlich Ehrgeiz, dass diese Ungeschlagenheit noch lange weiter anhält. Mal schauen.
HCVL: Was war dein persönliches Highlight im Handballjahr 2021?
SR: Die Früchte meines Schaffens als Trainer zu sehen. Damit meine ich einerseits die konditionellen Fortschritte der Mannschaft – trotz sehr hohem Altersdurchschnitt. Und andererseits die Momente wenn nach dem Schlusspfiff die Mannschaft jubelt, meine Anspannung wegfällt und ich in Stille und etwas Distanz vom Spielfeldrand die Jubelbilder aufsaugen kann. Das macht Freude.
HCVL: Was sind deine Erwartungen bzw. die Wünsche für die bevorstehende Rückrunde?
SR: Ich habe keine grossen Erwartungen. Wichtig ist für mich, dass wir die Rückrunde ohne grössere Verletzungen, mit einem beständigen Kader, und mit viel Freude zusammen austragen können. Alles andere ist Zugabe.
HCVL: Die Auslosung im Regio-Cup hat ergeben, dass deine Mannschaft im Viertelfinal auf unsere 1.Herrenmannschaft trifft. Würdest du dies eher als Losglück oder als Lospech bezeichnen? Was erwartest du von diesem Spiel?
SR: Ja, das ist eine tolle Geschichte und ich freue mich darauf. Aber hier vielleicht zuerst ein paar Worte zu der 1. Mannschaft. Ich bewundere das Team sehr – schon die dritte Saison in Folge kommt das Team in der 2. Liga unter die Räder und geht von der einen Niederlage zur nächsten. Trotzdem sehe ich wie ein grossartiger Teamspirit gewachsen ist, wie alle motiviert im Training sind und willig dazulernen wollen. Zusammen gewinnen, können alle - aber zusammen verlieren, das können nur Wenige… Es verdient ein grosses Lob, dass die Mannschaft unter solchen Umständen einen tollen Teamzusammenhalt hinbekommt. Und dann noch zum handballerischen Teil – da hat die 1. Mannschaft auch grosse Schritte gemacht (insbesondere in der Abwehr) und Simon Trippmacher macht einen herausragenden Job. Zurecht haben sie nun endlich den ersten Sieg eingefahren. Nun aber wieder zurück zum Duell im Regio-Cup: Da wird nichts geschenkt und wir werden versuchen die 1. Mannschaft so lange wie möglich zu fordern.
HCVL: Was ist dein Resultattipp für dieses Cupspiel?
SR: 42:42 nach zwei Verlängerungen und beim 12. Penalty gewinnt meinen Mannschaft 😉 !
Vielen Dank für das Interview, Stephan! Wir wünschen dir und deiner Mannschaft im neuen Jahr weiterhin erfolgreiche und verletzungsfreie Spiele!